ARSETS Praxisseminar “Reiterhand und Pferdemaul”

Ganz kurzfristig durfte ich gestern Abend am ARSETS Praxisseminar “Reiterhand und Pferdemaul” mit Tierärztin Dr. med. vet. Imke Querengässer in Oberembrach teilnehmen. Es kam wie gerufen, denn letzte Woche konnte ich Miro erstmals wieder mit Trense in der Halle arbeiten, ohne dass er Stress hatte und sich gegen die Trense wehrte. Gewisse Anlehnungsprobleme bestehen aber immernoch, sodass ich sicher war, dass ich von diesem Abend profitieren würde.

In der Aussschreibung stand: “92 % der Pferde auf Deutschen Abreiteplätzen gehen hinter der Senkrechten – so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Auch im normalen „Reiteralltag“ gehen viele Pferde nicht in korrekter Anlehnung – sehr häufig, ohne dass dies ihren Reitern bewusst ist.”

Ziel des Vortrag-Abends war es, darüber aufzuklären, was es bedeutet, wenn das Pferd korrekt am Zügel geht und wie man dies (auch als Freizeitreiter) erkennen kann. Dieses Thema scheint sehr aktuell – jedenfalls waren über 40 Personen anwesend und füllten “Susann’s Beizli “auf dem Reiterhof Hueb in Oberembrach bis auf den letzten Platz aus. Die Stimmung war gleich von Beginn an entspannt, obschon man deutlich spüren konnte, dass die Teilnehmenden dem Vortrag interessiert und erwartungsvoll

Imke Querengässer hat an der Universität Giessen Tiermedizin studiert und an der Pferdeklinik Bern ihre Doktorwürde erlangt. Sie hat sich mit zahlreichen Weiterbildungen spezialisiert auf Physiotherapie und Chiropraktik für Pferde und Kleintiere. Begleitend zum Studium hat sie die Prüfung zum Reitwart/Trainer C abgelegt und unterrichtet seither auch Reitschüler. Wie die Organisatorin, Jenny Markov, selbst auch ausgebildete Tierärztin und sehr erfahrene aktive Reiterin, in der Einleitung treffend bemerkte, ist die Vereinigung eines fundierten tierärztlichen Wissens mit einer reiterlichen Ausbildung und Erfahrung aus auch dem Gebiet des Unterrichtens von Reitern gerade bei solchen Themen sehr wertvoll.

Aus tiermedizinischer Sicht wurde dem Publikum erklärt, wie Anlehnung aussehen sollte und ihre Bedeutung für eine funktionierende Biomechanik und die Gesunderhaltung des Reitpferdes dargestellt. Die enge Verbindung von Losgelassenheit und Anlehnung wurde erläutert, sowie Ursachen und Lösungsmöglichkeiten von Anlehnungproblemen aufgezeigt. Imke Querengässer verstand es, die Theorie mit praktischen Beispielen aufzulockern und beantwortete Zwischenfragen aus dem Publikum suverän und leicht verständlich.

image1

Im Anschluss an den theroretischen Teil wurde in der Halle eine wunderschöne  dunkelbraune Achal Tekkiner-Stute unter seiner Reiterin vorgestellt. Die Stute liess sich von der ungewohnten Menschenmenge in der Halle nicht beeindrucken. Nach einem kurzen Check der Ausrüstung, wurde sie uns  in Schritt und Trab vorgeritten. Dabei wurden wir aufgefordert, unsere Eindrücke bezüglich möglicher Anlehnungsprobleme zu äussern.

image3

Danach fragte die Referentin die Besitzerin des Pferdes, ob sie es selbst kurz reiten dürfe, um einen Eindruck aus dem Sattel zu erhalten. Nach ein paar Runden im Schritt und im Trab und einigen ersten Sequenzen der Einwirkung bzw. Feinabstimmung in der Hilfengebung, kam sie vor uns zum Stillstand und erklärte uns, was sie soeben mit dem Pferd gemacht hatte.

image2

Neben der aus meiner Sicht sehr treffenden und gut verständlichen Interpretation der Situation beindruckte mich besonders, wie fein und trotzdem bestimmt die Referentin mit der für sie völlig unbekannten Stute umging.

Im Anschluss zeigte sie uns noch die wichstigsten Abkauübungen bei offenem Genick des Pferdes vom Boden und vom Rücken des Pferdes aus. Ziel dieser Übungen, die man am besten vor dem Reiten macht, ist es, dem Pferd beizubringen, auf die Einwirkung der Reiterhand auf die Mundwinkel mit einem entspannten Kauen zu reagieren. So kommt es zu einer Lockerung im Bereich des Kiefergelenkes und des Zungenbeins mit Entspannung der Kopf-Arm-Muskulatur, was wiederum Voraussetzung ist für eine korrekte Anlehnung, welche schlussendlich ein vertrauensvolles vorwärs/abwärts Dehnen ermöglicht.

Im Anschluss an diesen wirklich spannenden und lehrreichen Vortrag, konnten wir uns bei einem sehr feinen Essen und gemütlicher Stimmung in “Susannes Beizli” stärken und austauschen!

Vielen Dank Imke Querengässer, Jenny Markov, den Gastgebern, sowie allen Teilnehmenden für diesen spannenden und inputreichen Abend!

Mehr Infos unter:

Website der Referentin: www.tierchiropraktik.de

Verein Arbeitsreitweise Schweiz: www.arsets.ch

Susann’s Beizli in Oberentfelden: www.susannes-beizli.ch